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8 | besser WOHNEN | März 2018

WOHNEN & EINRICHTEN

KÜCHE

T

echnisch betrachtet ist die Küche

mehr als angekommen im 21.

Jahrhundert, vielleicht sogar

schon weiter. Es gibt Geräte,

die Backofen, Mikrowelle und

Dampfgarer in sich vereinen, Infrarot-Felder,

die sich vorher abschalten, bevor„al dente“

nur eine Wunschvorstellung, aber keine

Tatsache ist, Dunstabzüge, die sich ent-

weder dezent rauf schwingen und runter

versenken oder wie riesige Raumschiffe

über dem Herd baumeln, und auch dieje-

nigen Wunder, die entweder doppelt so

schnell kochen oder doppelt so gesund.

Mix aus Alt und Neu.

Bei den Küchenmöbeln geht man ein paar

Schritte zurück, lässt die alte Kredenz wieder

aufleben, lädt zur Steinzeit ein in Form von

wahren Kochmonolithen aus Naturstein

oder bringt wieder mehr Kupfer in die

kulinarische Szenerie, jedoch nicht als Topf,

sondern als Griff, Zierleiste oder Ähnliches.

Trotzdem bleiben bei diesen Details die Lini-

en der Küchen klar definiert, auch wenn ab

und zu ein wenig Landhausstil hervorguckt.

Das Spiel der Kontraste von stringenten

Formen und weichen Farbtönen ist ebenso

präsent wie die Gegensätze zwischen Matt

und Glänzend oder Schwarz undWeiß, die

die Strenge der Korpi noch unterstreichen.

Zu schade zum Kochen.

Die neuen puristischen Kochgelegenhei-

ten, die sich samtig und verwechselbar

an das Wohnzimmerambiente anschmie-

gen, wo Buchregal an Küchenregal

bar jeder Unterscheidungsmöglichkeit

grenzt und das Wort„Grenze“ ohnedies

seine Bedeutung verliert, erwecken den

starken Eindruck, dass daneben Gepatztes

und Schnippelabfälle, Gewürzgefäße und

Küchenutensilien gar nicht gern gesehen

werden. Lieber hat man die Kochlektüre

sauber geschlichtet und die Edelstahlober-

fläche ohne Fingertapser undWasserspritzer

wie frisch poliert. So fragt man sich, ob

das erstens die Vorhut zur Backstageküche

ist, in der tatsächlich gearbeitet werden

darf, und ob man zweitens damit wieder

dort ankommt, wo man schon einmal war:

Im winzigen Zimmer namens Küche.

Inseln der Träume.

Absolut undenkbar wäre heute ein Küche,

die - wenn nicht schon eine ganze Insel

- nicht wenigstens eine Bucht hat. Durch

die allseitig benutzbare Arbeitsfläche, die

immer schon ein kostbares und praktisches

Gut war, allein durch die Multifunktionalität

als Esstisch, als Kochstelle und als gemein-

schaftliche Werkbank, ist die Küche wieder